Eine Frage des Blickwinkels

Zum Jahreswechsel habe ich mir ein paar Gedanken gemacht: Mir ist bewusst geworden, dass manche meiner Blog-Beiträge und Postings den Eindruck erwecken, mein Leben sei sorglos und rundum perfekt. Nach Rückmeldungen zu schließen, halten mich manche meiner Leserinnen für die fehlerlose Mutter, liebende Partnerin, Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit, kurz: für einen Wunderwuzzi. Aber: Ich bin alles andere perfekt! Ich bin ein impulsiver, ungeduldiger Mensch und wenn ich nervös oder unzufrieden mit mir bin (was öfters vorkommt als ihr denkt), kaue ich an meinen Nägeln. Mein Mann beschwert sich darüber, dass ich schnarche.

Dass Menschen, die mich nicht so gut kennen, ein einseitiges Bild von mir haben, mag daran liegen, dass ich dazu neige, mich auf die positiven Seiten des Lebens zu konzentrieren und auch in den schwersten Zeiten ein Licht am Horizont sehe. Das war nicht immer so, ich habe mir diese Sichtweise gewissermaßen antrainiert. Tatsächlich habe ich in meinem Leben eine Menge Fehler gemacht (ich könnte Bände damit füllen), doch irgendwann begonnen, mich damit auseinander zu setzen. Der Unterschied zu früher ist: Ich mache mir Fehler bewusst und versuche, daraus zu lernen (was natürlich nicht von einem Tag auf den anderen gelingt). Wenn ich Menschen, die mir nahe stehen, verletzt habe, spreche ich mit ihnen darüber – soferne sie das möchten. In den dunklen Kapiteln meines Lebens oder wenn ich nicht weiter wusste, habe ich mir Hilfe gesucht – das hat sich bis heute nicht geändert.

Die Gefahr bei Menschen wie mir, die mit Geschriebenem an die Öffentlichkeit gehen, ist, mit erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. Aber natürlich steht es mir nicht zu, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Ich kann nur bei mir bleiben und im besten Fall andere inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Es ist mir allerdings ein Bedürfnis, meine Lebenserfahrung und mein Wissen weiter zu geben – und mich weiter zu entwickeln, Lösungen zu finden, das Beste aus meinem Leben zu machen. Das kann auch anstrengend sein, nämlich dann, wenn es in Selbstoptimierung ausartet. Selbst ich muss zugeben, dass das Leben nicht immer ein Ponyhof ist und Hindernisse hinter jeder Ecke lauern – vor allem wenn man, so wie ich, in der Lebensmitte steht. Es ändert sich gerade vieles. Beziehungen und Freundschaften werden auf die Probe gestellt, wenn ich, wie es in letzter Zeit öfters passiert, im Rückzugmodus bin. Das empfinden manche als egoistisch oder rücksichtslos, ist für mich aber lebenswichtig.

Es ist also alles eine Frage der Perspektive und jeder Mensch muss für sich selbst herausfinden, wie er sein Leben gestaltet. In diesem Sinn wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern ein bereicherndes Jahr 2019!

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