Den eigenen Weg finden

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, ein Leben zu leben, das ihren Wünschen entspricht, einer Arbeit nachzugehen, die sie erfüllt?

Wenn ich mich umsehe, sehe ich so viele Menschen, die unzufrieden sind mit dem, was sie tun, die fremdbestimmt wirken und sich in ein Leben gefügt haben, das nicht das ihre zu sein scheint. In unserer Gesellschaft, die Leistung um jeden Preis verlangt, scheint es normal zu sein, einer Arbeit nachzugehen, die keinen Spaß macht, aber Sicherheit, Anerkennung und gutes Geld verspricht (und oft nicht einmal das). Es beginnt schon in der Schule, die sich mehr auf Schwächen konzentriert, statt Stärken zu fördern.

Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass das Wort Erfolg bei uns einen negativen Beigeschmack hat, weil es oft mit Geldgier und rücksichtslosem Machtstreben gleich gesetzt wird. Dabei können wir in so vielen Bereichen erfolgreich sein: Bei der Arbeit, in Beziehungen, in der persönlichen Entwicklung. Erfolg kann bedeuten, etwas zu erreichen, das ich mir vorgenommen habe, meine Träume zu verwirklichen, eine gute Mutter zu sein, mich für meine Werte einzusetzen. Und ja, auch gut von meiner Arbeit leben zu können – und zwar von einer Arbeit, die mich erfüllt und Sinn stiftet. Ich denke, wenn mehr Menschen sich erlauben würden, einer Arbeit nachzugehen, die ihren Talenten und Wünschen entspricht, wären sie zufriedener und hätten mehr Muße, sich darüber Gedanken zu machen, welche Werte ihnen wichtig sind. Sie würden sich vielleicht mehr für Umweltschutz einsetzen, sich sozial oder politisch engagieren.

Auch mein Weg war holprig und voll von Hindernissen: Jahrelang war ich auf der Suche nach der Arbeit, die zu mir passt. Das Schreiben hatte mir immer schon Spaß gemacht, doch ich war voll von Selbstzweifeln: Bin ich gut genug? Die Jahre vergingen und ich wusste nicht, wohin ich gehörte. Ich begann ein Studium und brach es wieder ab, versuchte es mit einer weiteren Ausbildung. Bis ich einen Job als Online-Redakteurin fand – und zum ersten Mal in meinem Leben stolz auf das war, was ich tat. Es sollten weitere Jahre mit Fortbildungen vergehen, bis ich all meinen Mut zusammennahm und mich bei einem Gesundheitsmagazin bewarb, das auf der Suche nach Mitarbeitern war. Ich schrieb meinen ersten großen Artikel und wurde als Kolumnistin ausgewählt.  Endlich fühlte sich alles richtig an – und ich mich angekommen.

Ich habe mich oft gefragt, weshalb es bei mir so lange dauerte, bis ich meinen Weg fand. Das mag zum einen daran liegen, dass ich mich nicht so schnell mit halben Sachen zufrieden gebe und tief in meinem Inneren immer gespürt habe, dass ich es verdient habe, glücklich zu sein – auch wenn ich es mir lange Zeit nicht zugestand. Es mag aber auch daran liegen, dass ich als Kind und in meiner Jugend fremdgesteuert war und nie lernte, meine eigenen Wünsche zu artikulieren. Auf die Klosterschule, in der ich mich nicht wohl fühlte, folgte das Musikgymnasium, in dem ich mich fehl am Platz fühlte. Ich machte lange Zeit mit, ließ mich verbiegen, obwohl ich schon bald merkte, dass mir für eine Musikerkarriere der Ehrgeiz fehlte. Dass ich ein Instrument spielte, das ich nicht selbst ausgesucht hatte, machte die Sache nicht einfacher. Nach der Matura tat ich dann genau das Gegenteil von dem für mich vorgesehenen Plan: Ich trieb plan- und ziellos durchs Leben, probierte vieles aus, jobbte und reiste.

Auch wenn ich es lange nicht begriff, war das wohl meine Art, gegen den mir vorgegebenen Weg aufzubegehren. Glücklich machte es mich jedenfalls nicht. Während all den Jahren schrieb ich viele Tagebücher voll und schließlich führte das Schreiben mich dorthin zurück, wohin ich gehörte. Schon bald wurde mir klar, dass ich über die Themen schreiben wollte, die mir am Herzen lagen: Umwelt, Nachhaltigkeit, unsere Gesellschaft. Ich wollte – und will – mit meiner Arbeit etwas bewegen, zum Nachdenken und vor allem auch zum Handeln anregen. Wenn es mir gelingt, Menschen zu erreichen und zu inspirieren, macht mich das glücklich.

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