Zwischenwelten

Nach allem, was in den vergangenen Monaten und Jahren geschehen ist, merke ich, wie müde ich bin, so müde. Ich habe permanent das Gefühl, in einem Zwischenraum festzustecken, zwischen Alt und Neu. Das Alte nimmt Abschied, aber das Neue lässt noch auf sich warten. Vieles macht mich gerade traurig, meine gescheiterte Beziehung, die vielen Baustellen weltweit, wie Menschen miteinander umgehen. Die allgemeine Verunsicherung, was die Zukunft bringen wird.

Ich habe eine entzückende kleine Wohnung am Stadtrand gefunden, mit Zugang zu einem Garten und einer Eibe vor meinem Fenster und den besten Nachbarn, die man sich vorstellen kann. Und dennoch fühle ich mich hier (noch) nicht angekommen, weiß nicht, wie lange ich bleiben werde. Es zieht mich mehr denn je hinaus aus der Stadt, vielleicht auch aus dem Land. Die Natur spiegelt diesen Schwebezustand wieder, vor meinem Fenster machen sich Kohlmeisen und Buchfinken zu schaffen, die Schneeglöckchen stecken ihre Köpfe heraus. Der Frühling zeigt sich zaghaft – und dennoch lauert der Winter noch hinter jeder Ecke.

In den letzten Tagen haben mich immer wieder diffuse Kopfschmerzen geplagt, die mir zeigen, dass ich auf mich achten muss. Gestern war der Druck in meinem Kopf wieder da und ich setzte mich dennoch pflichtbewusst an den Laptop – nur um ihn wenig später wieder zuzuklappen. Ich beschloss, mir einen freien Tag zu nehmen, etwas für mich zu tun. Ging (endlich) zum Friseur, blödelte mit meiner Tochter herum, die es wieder einmal schaffte, mich zum Lachen zu bringen – was das Kopfweh kurz verschwinden ließ. Danach hörte ich mir Entspannungsmusik an und machte mir einen Mädesüß-Weidenrinden-Tee – am Abend waren die Kopfschmerzen weg.

Heute ist die Müdigkeit da und ich bin gerade sehr froh über meine Selbständigkeit, die es mir erlaubt, mir meine Zeit frei einzuteilen. Gehe in den Wald, wie fast immer, wenn meine Energien schwinden und setze mich zu einem Baum. Lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und lausche dem Rauschen der Bäume im Wind. Ich bin dankbar dafür, dass ich im Laufe der Jahre gelernt habe, gut für mich zu sorgen und auf die Signale meines Körpers zu achten. Meinen Gefühlen nachzugeben und die Traurigkeit zuzulassen, statt mich sofort abzulenken – auch wenn das nicht immer einfach ist. Und so gönne ich mir eine Pause von den Turbulenzen da draußen und gehe einen Schritt nach dem anderen, in eine neue Zeit.

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